08.08.2012
Der Fall der Rostocker Ruderin Nadjas Drygalla hat nun auch den Sport im Freistaat Thüringen erreicht. In Thüringen wäre ein derartiger Fall nicht möglich, teilte der Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes, Rolf Beilschmidt, mit und freute sich darüber, daß es im Lande noch nie den Fall gegeben habe, daß ein Athlet Kontakte zu rechten Szene unterhalten hätte.
In Übereinstimmung mit dem Sozialministerium wolle man allerdings ein gutes „Frühwarnsystem“ ausbauen, um rassistische und ehrverletzende Sprüche nicht zu dulden. Bestandteil dieses „Frühwarnsystems“ seien sogenannte „Demokratie- und Konfliktberater“. Die ersten sechs davon seien vor wenigen Wochen eingeführt worden.
„Demokratie- und Konfliktberater“, das klingt zunächst harmlos, ist aber nichts weiter als ein Politkommissar. Zu Zeiten der DDR wurden die Sportler bei auswärtigen Wettkämpfen von derartigen Überwachungspersonen begleitet, um zu verhindern, daß sie mit Sportlern anderer Nationen zu intensiven Kontakt aufnehmen, sich kritisch zur DDR äußern oder einfach den Auslandsaufenthalt zur Flucht nutzen.
Herrn Beilschmidts Politkommissare, pardon, Demokratie- und Konfliktbeauftragte, haben keine wesentlich anderen Aufgaben. Sie sollen Sportler, und hier wohl vor allem Leistungssportler, ausforschen und überwachen, ob sie denn die „richtige“ Meinung und keine falschen Kontakte unterhalten.
Mit einem derart überwachten Sport hat Rolf Beilschmidt offenbar Erfahrungen. Der DDR-Ausnahmeathlet aus dem SC Motor Jena gehörte zur Weltspitze im Hochsprung. Noch 1990 wurde er Vizepräsident des „Deutschen Turn- und Sportbundes“ in der DDR. Von irgendwelchen Aufmüpfigkeiten gegenüber dem Überwachungsstatt DDR ist nichts bekannt. Offenbar hat er alle Privilegien genossen und in Anspruch genommen. Seine Erfahrungen mit Polit-Kommissaren hat er wohl in seine neuen Funktionen mitgenommen.
Dem Manne muß aber ganz klar gesagt werden, daß Sport die eine und Politik die andere Sache ist. Es gibt auch in Thüringen eine ganze Menge rechts und national eingestellter Frauen und Männer, die trotz ihrer politischen Einstellung ganz gerne Sport und manchmal auch Hochleistungssport betreiben. Diesen Leuten ihre private Leidenschaft zu verwehren, weil sie eine gegenwärtig unkorrekte politische Einstellung haben, ist ein klarer Verstoß gegen freiheitliche Grundwerte, die auch im Grundgesetz verankert sind.
Der eigentliche Skandal um die Ruderin Drygalla ist nicht ihre persönliche Beziehung. Der Skandal ist der Umstand, daß verantwortungslose Medienvertreter eine regelrechte Hetzjagd betreiben. Der Skandal ist, daß es im deutschen Sport immer noch Leute wie Rolf Beilschmidt gibt, die dem Mauer- und Überwachungsstatt DDR offensichtlich näher stehen als einem freiheitlichen Rechtsstaat.
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